Foreword

Foreword

Vorwort

Der Proletarier, der genügend zeit hat, seinen Gesichtskreis durch gute Lektüre zu erweitern und über das Gelesene auch reiflich nachzudenken, er lernt bald den Zusammenhang der Dinge erkennen.
AWie viele aber von den Proletariern haben zeit dazu?
Für den Proletarier nun, der gezwungen ist, jahraus jahrein schwer zu arbeiten, um sich und die Seinen kümmerlich zu erhalten, der nicht Zeit hat, über das Wesen der Dinge nachzugrübeln und über ihren Zusammenhang, für den währt es Jahre und Fahrzehnte, bis er sich eine Vorstellung von dem gemeinschaftlichen Zusammenleben einer freien menschlichen Gesellschaft machen kann.
Bis an meinen Lebensabend fast muszte ich warten ehe ich in die Lage kam, was ich erlebt und was ich erfahren habe, in reifem Denken zu verarbeiten, und zu Nutz und Frommen aller derer, die zum Denken nicht Zeit haben um des leidigen Selbsterhaltungstriebes willen und die nicht warten sollen um ihres Wohles und ihrer Erlösung willen, will ich ihnen in aller Kürze hier die Frucht der Erfahrungen und des Grübelns eines ganzen Lebens, meines ganzen Lebens vorlegen.
Welcher Deutsche kennt nicht das alte Märchensprüchlein:
Tischlein deck dich!
Esel streck dich!
Knüppel aus dem Sack!?
Wer ist das Tischlein? – Die Mutter Erde. Wer ist das Eselein? – Das arbeitende Volk. Wer ist der Knüppel? – Das Geld.
Ich bin ein alter Arbeiter, der sich weder zu den Gelehrten oder Hellsehern, noch zu einer ähnlichen Gattung von Menschen rechnet.
Über meine seit Iahren und Iahren mühsam gesammelten Erfahrungen lehren mich, daß es nicht eine leere Vision ist, was ich im Nachfolgenden ausführe, und darum trete ich damit vors das Forum der Oeffentlichkeit.
Die heutigen harten Zustände im Leben der Arbeiter sind unhaltbar; sie zu bessern und vernunftgemäß zu machen, ist ein allseitiger frommer Wunsch, wird aber auch immer nur frommer Wunsch bleiben für solche Menschen, die nicht weiter denken als von heute auf morgen.
Für den tiefer Denkenden, für den ein wenig in die Zukunft Blickenden wird das Folgende wohl nicht allzu unwahrscheinlich scheinen, sondern wenigstens den Anstrich der Durchführbarkeit haben, da alle Vorbedingungen dazu schon seit Iahren gegeben sind.

Angerbauer, Joseph. Tischlein, Deck Dich Für Alle! Eine Betrachtung. West Norwood: Selbstverlag, 1908.