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Die Halle war ein kühler Raum, dessen Wände verschiedene Glasschränke zierten.
Es war das Refektorium.
In der Mitte sprudelte ein künstlerisch ausgeführter Springbrunnen, dessen strahlenförmig aufsteigendes Wasser eine angenehme Frische im Raume verbreitete.
Mein Führer hieß mich an einem Tische Platz nehmen, entnahm einem der Schränke eine wohlschmeckende Speise nebst einem Becher von dem schon erwähnten Göttertranke.
Er selbst nahm auch etwas zu sich, worauf wir den Raum verließen, um uns wieder nach oben zu begeben.
Er öffnete eine, ließ, mich eintreten und empfahl mir, es mir hier bequem zu machen und auszuruhen.
Ich schritt an das einen Erkervorsprung bildende Fenster, von dem ich nach drei Seiten hin einen herrlichen Ausblick hatte und den ganzen Vorplatz war mit grünem Rasen bewachsen und mit verschieden gezeichneten Blumenbeeten und Blumen schönster Art geziert.
In der Ferne sah ich Getreidefelder, auf denen zwar nur wenige Männer, aber desto mehr verschiedene Maschinen in Tätigkeit waren.
In den Gemüse-und-Obstgärten die ich erblickte, waren Männer und Frauen beschäftigt.
Nun sah ich mir die Stube selbst an.
Sie maß etwa sechzehn Fuß im Quadrat un hatte eine Nische, in der Wasch-und Brausevorrichtungen angebracht waren.
Die glatten Wände waren verschiedenfarbig eingelegt und mit Landschaftsbildern lieblich bemalt.
Von gleicher Beschaffenheit war die Stubendecke.
Der Fußboden war parkettiert.
In der Mitte de Raumes stand ein runder Tisch aus feinem Holze, rings herum vier ebensolche Stühle mit wichen Polstersitzen und zwei zierliche, von Sauberkeit blinkende Betten vervollständigten die Ausstattung.
Nachdem ich alles genügend in Augenschein genommen und mich an der Zierlichkeit, Bequemlichkeit und Handlichkeit der Dinge ergötzt hatte, fetzte ich mich wieder im Erker nieder.
Auf den Feldern und in den Gärten war es inzwischen stille geworden, die Männer und Frauen hatten sich zurückgezogen und die Maschinen in die nahen Remisen gebracht, denn der Abend begann hereinzubrechen.
Dafür wurde es lebhaft im Gebäude.
Ich hörte Männer und Frauen vergnügt plaudernd den langen und breiten Korridor entlang wandeln.
Da klopfte es an meine Türe.
Auf mein Herein trat eine anmutige Frau in reiferen Iahren ein, begrüße mich, ob ich mich langweile.
Ich erwiderte, das sei durchaus nicht der Fall, da ich vor Verwunderung über alles, was ich hier gesehen habe, aus mein ein Staunen gar nicht herauskomme.
Bald entwickelte sich zwischen uns beiden ein lebhaftes Gespräche.
Ich mußte ihr meine Erlebnisse und die Verhältnisse des Landes, aus dem ich kam, schildern.
Als sogenanntes Kind der Liebe in einem kleinen Städtchen geboren, erzählte ich, wurde (seite 6) ich von meiner Großmutter in ärmlichen Verhältnissen, doch leidlich gut erzogen, kam im Alter von sechs Iahren in die Volksschule und mit zehn Iahren in die Lateinschule in einem größeren Institute.

Angerbauer, Joseph. Tischlein, Deck Dich Für Alle! Eine Betrachtung. West Norwood: Selbstverlag, 1908.