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In verhältnismäßig kurzer Zeit war das Abendmahl beendet und die Leute begaben sich, meist paarweise oder in Gruppen, ins Freie, um einen (seite 7) Spaziergang zu machen.
Dasselbe tat ich mit meiner Begleiterin.
Es war ein wundervoller Herbstabend, in den wir hinauswandelten.
Die verschiedenen Wege waren mit Alleen bestanden und in gewissen Abständen mit Ruhebänken versehen.
Als wir eine Zeitlang gegangen waren, ließen wir uns auf einer der Bänke nieder, von der aus man eine schöne Aussicht auf die Umgebung hatte.
Ich fragte meine Freundin, was mir nach Anbruch der Dunkelheit beginnen würden.
Sie entgegnete, daß an diesem Abende von talentierten Mitgliedern der Gemeinde ein Konzert und ein lustiges Theaterstück aufgeführt würde, und wenn es mir beliebte, könnte ich mit ihr die Vorstellung besuchen.
Als die Zeit der Vorstellung gekommen war, gingen wir in den eine kurze Strecke vom Wohngebäude entfernten, durch einen Arkadengang damit verbundenen Theater-und Konzertbau, der von außen einfach aussah.
Er bot genügend Raum für die Mitglieder der Gemeinde, deren größter Teil bereits anwesend war.
Das Innere des Hauses war ein wahres Schmuckkästchen.
Nichts wirkte überladen, man sand keine unnützen Staubfänger, keine Stuckarbeit, überall nur Parketten, eingelegte Täfelungen und an die Wand und Decke gemalte Darstellungen, so daß eine Reinigung leicht und gründlich erzielt werden konnte.
Alle Besucher und Besucherinnen trugen leichte Filzschuhe, die der Frauen waren meist kunstvoll gestickt.
Die Anwesenden folgten den Vorgängen auf der Bühne mit sichtlich reger Aufmerksamkeit und unterhielten sich offenbar köstlich während der eineinhalb Stunden, die die Abwickelung des Programms erforderte.
Nach Schluß der Vorstellung zerstreuten sich Zuhörer und Mitwirkende in verschiedene an den Theatersaal anstoßende Säle, wo sie entweder Erfrischungen zu sich nahmen oder in anregendem Gespräche die Zeit verbrachten, bis sie zur Ruhe gingen, was ziemlich frühe geschah, weil die oben im Gange befindliche Einbringung der Ernte für den nächsten Tag wieder frische Kraft erforderte.

Um anderen Tage.

Die Sonne war eben aufgegangen, und schon wurde es im Wohn-palaste lebendig.
Sehr bald gab die Glocke das Zeichen zum Frühstück, das wieder gemeinsam in dem Speisesaale genommen wurde.
Nach dem Frühstück lud mich meine Freundin zu einem Rundgange ein, um mich die praktischen wirtschaftlichen Einrichtungen dieses Gemeinwesens kennen zu lehren.
Zuerst besichtigten wir die Küche, die unterhalb des Speisesaales lag.
Ich sah da, wie mehrere junge Männer sich mit dem Reinigen der Frühstücksgedecke beschäftigten.
Das geschah in ähnlicher Weise, wie ich es einmal in den großen Hotels gesehen hatte; in einer Viertelstunde war die ganze Arbeit getan und alles wieder in bester Ordnung nah dem Speisesaale in die betreffenden Glaswandschränke befördert.
Statt unserer (seite 8) Kochherde sah ich lange, mit Silber und Gold verzierte Metalltafeln, auf denen die Speisen mittels Elektrizität zubereitet wurden.

Angerbauer, Joseph. Tischlein, Deck Dich Für Alle! Eine Betrachtung. West Norwood: Selbstverlag, 1908.