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Statt unserer (seite 8) Kochherde sah ich lange, mit Silber und Gold verzierte Metalltafeln, auf denen die Speisen mittels Elektrizität zubereitet wurden.
Neben der Küche befanden sich verschiedene mit Glastüren versehene Abteilungen und Kühlkammern, in welchen die für die Speisen notwendigen Rohstoffe aufbewahrt wurden.
An einem Schreibtische in der Küche saß der Küchen vorstand, der gerade seine Anordnungen für die Mittagsmahlzeit traf.
Das nächste, was wir besichtigten, waren die sich an das Gebäude anschließenden Vorratsräume, in denen did zum größten Teil selbst erzeugten Vorräte an Lebensmitteln aufgestapelt waren.
Diese waren so regelmäßig geordnet, daß jeder Unbekannte in kürzester Zeit sich darin zurechtfinden konnte.
Hierauf besuchten wir die Gebäude, die der Volkswohlfahrt und der Erziehung der Iugend gewidmet waren.
Das erste Gebäude, das wir besuchten, war das Hospital, zugleich Entbindungsanstalt.
Die Hospital-abteilung war gänzlich leer, es gab, wie oft keine Kranken.
Dagegen war es in der Entbindungsanstalt etwas lebhafter, die Säle befanden sich in den oberen Räumen und waren nach den neuesten sanitären Vorschriften ausgeführt.
Die unteren Räumlichkeiten waren für Aerzte und Aerztinnen, Wärterinnen und anderes Pflegepersonal reserviert.
Vor dem Gebäude war ein grüner Rasenplatz mit Blumenbeeten angelegt, hinter dem Hause ein kleiner Park mit Gartenhäuschen und Spielplätzen für Kinder bis zu vier Iahren.
Die Mütter teilten sich in die Beaufsichtigung, Ernährung und Erziehung der Kleinen in bestem Einvernehmen, da die Kinder überhaupt als Kinder der Gemeinde betrachtet wurden.
Der nächste Bau, den mir meine Freundin zeigte, war dem vorigen ähnlich und gleichfalls meist von Frauen bewohnt, die die Arbeit darin verrichteten.
Hier waren Kinder von vier bis zu sieben Iahren untergebracht und von den Frauen beaufsichtigt.
In einer großen Gartenabteilung mit Baumschule wurde den Kindern spielend gelehrt, wie diese Pflanze, jene Blume heiße, wie die Bäume veredelt werden und welche Früchte sie erzeugen.
In anderen Stunden wurden die reiferen der Kinder für den eigentlichen Schulbesuch vorbereitet.
Die Schulsäle für Kinder von sieben bis zu zehn Iahren befanden sich in einem besonderen Gebäude, das auch Turn-und Spielplätze aller Art umfaße, wo die Iugend in Gymnastik, Gartenbaukunst, Gartenpflege usw. unterwiesen wurde und spielend lernte, was ihm für das spätere Leben zu wissen nötig war.
Sobald die Kinder zehn Iahre alt geworden sind, beginnt für sie die Unterweisung in den höheren Disziplinen, die Wissenschaft und die Theorie immer in engster Verbindung oder wenigstens in engster Anlehnung an die Praxis.
Rechnen, Sprachen, Naturwissenschaften, Geographie und Geschichte, von den niedrigeren Stufen, immer unter Abstoßung jener der Lernenden, denen ihre subjektive Begabung einen (seite 9) anderen Weg zuweist, bis zu den höchsten, daneben am intensivsten Ackerbaulehre und Industriekunde.

Angerbauer, Joseph. Tischlein, Deck Dich Für Alle! Eine Betrachtung. West Norwood: Selbstverlag, 1908.