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Die wirklich Gelehrten fanden sich dann ebenfalls ein, entwarsen Pläne, wie einer bkutigen Revolution vorzubeugen sei und (seite 16) beeinflussten die höheren Militärs, die nach und nach zur Einfsicht kamen, daß es kinen Zweck habe, gegen das Volk anzukämpfen.
Die Arbeiter begriffen sehr schnell, daß nur ein Universalstreik ihnen helfen könne und organisierten sich daraufhin und eines Tages, als der Druck am stärksten war, wurde der Generalstreik erklärt, dem sich allmählich alle Arbeiter-organisationen ohne Ausnahme, auch das Dienstpersonal der Reichen und Reichsten mit nur ganz wenigen Ausnahmen anschlossen.
Es wurden allerwärts Versammlungen abgehalten, die von intelligenten Rednern aufgeklärt und angefeuert wurden.
Die Polizei suchte diese Versammlungen zu verhindern, sah sich aber angesichts der Massen des Volkes gezwungen, „unverrichteter Dinge“ abzuziehen.
Dann wurden die Straßen immer leerer, Volksaufläufe kamen nicht vor, die Sache verlief in aller Ruhe, wurde aber für die Besitzenden von Tag zu Tag kritischer.
Militärabteilungen durchstreiften wohl die Straßen, sie fanden aber nichts zu tun, weil das Volk sich ruhig verhielt.
Die Reichen und Herrschenden ahnten, das alles bedeute nur die Ruhe vor dem Sturme.
Mit den wenigen ihnen „treu“ gebliebenen Dienern und Dienerinnen holten sie ihre Equipagen hervor, bestiegen ihre Yachten und suchten einsame, verlassene Gegenden auf, wo sie meinen konnten, daß sie der Sturm nicht erreichen könne.
Nun erst hatten die Streikenden mehr Raum und Muße, die Lage genauer zu übersehen und die zunächst zu unternehmenden Schritte genau zu erörtern und mit der notwendigen Sorgfalt zu unternehmen.
Da die Hefe des Volkes, an der es zu jener Zeit Dank der merkwürdigen, von den Besitzenden für die Besitzenden eingerichteten Gesellschaftsordnung nicht fehlte, sich zur Plünderung anschickte, griffen die Organisierten ein, schützten die Warenhäuser und lebensmittelniederlagen und belegten sie mit Beschlag für die große Allgemeinheit, das Volk.
Alsbald schritt man an eine regelmäßige Verteilung von Lebensmitteln und Bedarfsartikeln und von da zur Ergänzung der Vorräte durch planmäßige Arbeit ohne lohn, eben nur für die große Allgemeinheit und deren Bestes, wie sie kurz darauf in Aufnahme und Uebung kam, war nur mehr ein Schritt.
Das Militär, das sich bisher an die erzwungenen Eide gebunden erachtete, sah nunmehr ein, daß ein erpreßter Eid nichts gemein habe mit Manneswort, Treu und Glauben vom moralisch-ethischen Begriffe, fand heraus, daß es nur Brudermord sei, zu dem man es gepreßt hatte, und beinahe geschlossen ging es zum Volke über.
Die Soldaten, denen sich begeisterte junge Leute überhaupt anschlossen, kehrten von ihrer unvernünftigen zur vernunftgemäßen Arbeit zurück, verteilten sich überallhin auf das Land und bewirtschafteten es gemeinsam mit den Bauern, die Handwerker erzeugten, was sie zu erzeugen gelernt hatten und tauschten es mit den Landarbeitern gegen deren Ernteschätze aus, die Fabrikarbeiter erkoren sich Lehrer und Führer in den Fabriken und stellten dort wieder die Maschinen her, die von Landwirten und Handwerkern benötigt wurden, und so begann fast von selbst und auf die natürlichste Weise jener (seite 17) Kreislauf, der unter planmäßiger Durchführung nach dem Systeme höherer Ueberlegung zu jenen Einrichtungen führte, die nun in diesem großen Gemeinwesen der Freiheit, Gleichheit und Bruderliebe üblich war.

Angerbauer, Joseph. Tischlein, Deck Dich Für Alle! Eine Betrachtung. West Norwood: Selbstverlag, 1908.